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Der Große Widderstein – klettern oder doch wandern?

von Sabine
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Hier am Hochtannbergpass gibt es einen Berg, der sich besonders hervorhebt – der Große Widderstein. Zwischen Warth-Schröcken im hinteren Bregenzerwald und dem Kleinwalsertal ragt der 2.533 m Berggipfel in die Höhe. Wenn ihr euch an den Beitrag vom Körbersee erinnern könnt, dann wisst ihr, dass sich der Große Widderstein bei guten Wetterbedingungen im Körbersee spiegelt. Heute ist unser Ziel jedoch keine Wanderung auf den Gipfel, sondern die Besteigung sollte über eine Klettertour – dem Anderl Heckmaier Gedächtnisweg – erfolgen.

Klettertour auf den Großen Widderstein

Die Vorgeschichte: Schon länger stand für uns der Anderl Heckmaier Gedächtnisweg im unteren Teil der Wand und die Hiltimanie im oberen Teil auf der Tourenliste. Die Vortage hat es recht stark geregnet. Das Wochenende jedoch versprach tolles Wetter und so entschlossen wir uns, diese Tour in Angriff zu nehmen. Am Vorabend ging es mit dem Auto in Richtung Hochtannbergpass. Nach einer kurzen Nacht hieß es früh aufstehen, denn bei diesen Wettervorhersagen nach der Regenperiode haben sicher noch mehrere die gleiche Idee. Dass sich mein Mann am Vortag aufgrund von Rückenschmerzen kaum bewegen konnte, wollte er nicht wirklich zugeben. Mit seinen Wunderpillen Voltaren sollte das alles aber kein Problem sein. Gesagt getan.

Zustieg zur Wand und Helikoptereinsatz

Wir starten unsere Klettertour am frühen Morgen und wandern zum Einstieg. Irgendwie habe ich die ganze Nacht nicht gut geschlafen und hatte ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Als dann noch der Hubschrauber einen Verletzten Wanderer nach einem Steinschlag aus der Wand bergen musste, war es mit meinen Nerven nicht mehr so, wie es sein sollte.

Der Einstieg war gefunden, und vor uns war bereits eine Seilschaft in der Wand. Wir steigen in die Wand ein. Die Nachsteigerin der vor uns in der Wand befindlichen Seilschaft war sichtlich überfordert und ebenfalls mit den Nerven am Ende. So ging es nur sehr schleppend voran.  Die Rückenschmerzen von meinem Mann sind Dank Voltaren am verschwinden und wir kommen zügig voran. Wir dürfen die vor uns Kletternden überholen. Der Weg ist gut zu finden und wir gelangen zur letzten Seillänger des unteren Teiles.

Unerwarteter Steinschlag

Was uns dann aber in der 4. Seillänge erwartete war blanker Horror. Ihr müsst euch vorstellen, der Seilerste klettert bis zum nächsten Stand. Manchmal hat man da keinen Blickkontakt mehr und die Verständigung funktioniert auch nicht. So war es auch bei uns. Diese Seillänge war laut Topo nicht schwierig. Da es aber die vorhergehenden Tage geregnet hat, war der Fels noch recht nass. Mein Mann meistert diese nassen Stellen problemlos. Doch plötzlich geht alles ganz schnell.

Unerwarteter Steinschlag überrascht uns. Ich kann mich nur noch ganz dicht an die Felsen stellen und hoffen, dass ich keinen Stein abbekomme. Es fallen richtig viele Gesteinsbrocken hinter meinem Rücken ins Tal. Woher die alle kommen ist mir ein Rätsel. Es geht zum Glück alles gut. Nur meine Nerven liegen blank. Ich steige zu meinem Mann hoch der sich am Stand befindet.

Wie geht es weiter…

Der weitere Weg führt durch eine klatschnasse Wand. Das Wasser tropft nur noch so von den Felsen. Aufgrund der Gegebenheit besteht hier die Möglichkeit, aus der Wand auszusteigen. Mein Instinkt sagt mir genau das. Ich überrede meinen Mann dazu, dies zu machen, da ich mich hier sehr unwohl fühle und auch ein schlechtes Bauchgefühl habe. Nach reiflichen Überlegungen kann ich  meinen Mannes umzustimmen, und wir beschließen hier die Wand zu verlassen. Das ist  heute sicherlich das Beste.

Jetzt heißt es auf den Gipfel wandern..

Wieder auf dem normalen Wanderweg angelangt, brauche ich zuerst mal eine Pause. Es wird etwas gegessen und getrunken. Ich bin so froh, dass wir diese Entscheidung getroffen haben. Manchmal ist es besser, umzukehren als zuviel Risiko einzugehen. Auch im nachhinein war es die vernünftigste Lösung, aus der Wand auszusteigen.

Nach der kurzen Rast beschließen wir, den Gipfel zu Fuß zu erklimmen. Es sind unglaublich viele Wanderer unterwegs und auch hier ist Vorsicht geboten. Immer wieder liegt loses Gestein, das von den anderern Wanderern losgetreten wird, und fällt in die Tiefe. Ich muss auch dazu sagen, dass hier viele unterwegs sind, die aufgrund ihres Könnens wirklich NICHTS hier verloren haben. Es wundert mich eigentlich, dass nicht mehr passiert. Auf allen Vieren steigen manche Wanderer auf und auch ab.

Rascher Aufstieg zum Gipfel – der Große Widderstein

Uns geht es in diesem Gelände sehr gut. Wir kommen rasch voran und besteigen den Großen Widderstein nun nicht über eine Kletterroute, sondern über den normalen Wanderweg. Die Aussicht hier am Gipfel ist grandios. Wenn man auf den Wanderweg zurückschaut, dann sieht man, wie sich Karawanen von Wanderern auf dem Weg zum Gipfel befinden.

Wir bleiben nicht lange auf diesem überfüllten Gipfel und steigen recht rasch ab. Beim Rückweg ist eine Einkehr auf der Widdersteinhütte geplant. Da wir aber unsere Geldtasche im Auto vergessen hatten, viel auch diese Aktion flach. Nach einer weiteren halben Stunde stehen wir wieder beim Auto. Naja “Wenn’s läuft dann läufts”! Ich bin froh, dass wir die Kletterroute nicht bis zum Ende geklettert sind. Manchmal muss man auf sein Bauchgefühl hören und Entscheidungen treffen und das Risiko richtig einschätzen. So war ich über unsere Entscheidung sehr froh.

Dass mein Mann sich bei dieser Klettertour eine Verletzung  an der Hand zugezogen hatte, sage er mir erst, als wir beim Auto waren. So ging es zu guter Letzt noch ins Krankenhaus, um eine genaue Diagnose der Schmerzen zu erhalten. Kapselriss am Finger!

Irgendwie war das nicht so unser Tag. Wir können nur hoffen, dass der weitere Urlaub besser verläuft und wir verletzungsfrei die nächsten 3 Wochen überstehen. Wohin uns unsere weitere Reise führt, könnt ihr in den folgenden Beiträgen nachlesen.

In diesem Sinne – bleibt gesund und passt auf euch auf.

Eure Bine

… und auch heute gibt es noch einige Impressionen von dieser Kletter/Wandertour.

 

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8 Kommentare

Miriam September 13, 2020 - 4:42 pm

Das klingt ja nach einem Abenteuer. Bei dem Steinschlag hätte ich auch Angst gehabt und meine Nerven wären danach auch blank gelegen! Ich hab mich aber ohnehin noch nicht ans Klettern getraut

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Sabine September 14, 2020 - 9:09 am

Hy Miriam,
ja ich bin froh, dass wir die Tour abgebrochen haben.
Es war definitiv nicht mein Tag.

Wenn Du mal die Gelegenheit hast, dann solltest Du das Klettern mal versuchen ;-)

Liebe Grüße
Bine

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Sabrina Bechtold September 4, 2020 - 1:27 pm

Liebe Bine,

puh, da hab ich ja schon wieder schweißnasse Hände beim Lesen bekommen. Gut, dass Du auf Dein Bauchgefühl gehört hast und ihr den Klettersteig an der Wand vorzeitig verlassen habt. Nicht auszudenken, was sonst vielleicht passiert wäre.
Es ist so wichtig, in den Bergen nicht aus falschem Stolz und Ehrgeiz leichtsinnig zu werden.
Gut, dass Du mit deinem Artikel auch nochmal auf die Gefahren hingewiesen hast.

Viele Grüße,
Sabrina

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Sabine September 7, 2020 - 8:32 am

Hy Sabrina,
ja manchmal muss man einfach eine Tour abbrechen. Die Sicherheit geht vor und
man möchte ja auch nicht andere in Gefahr bringen. Eine Tour ist immer erst zu Ende,
wenn man gesund wieder zurück ist. Das ist das Ziel.

Herzliche Grüße
Bine

Antworten
Martin September 1, 2020 - 11:30 am

Hallo Sabine, war auch grad am Widderstein, hab die gleiche Erfahrung gemacht wie du – da sind einfach zu viele Wanderer unterwegs, die in dem Gelände eigentlich nichts verloren haben. Und mit den Menschenmassen ist es schon grenzwertig mit den ganzen losen Steinen und dem Geröll welches immer wieder abgetreten wird…nichtsdestotrotz eine schöne Bergtour :)

Liebe Grüße, Martin

Antworten
Sabine September 1, 2020 - 11:43 am

Hallo Martin,
ja es ist im Moment echt krass und gefährlich, was bei uns in den Bergen abgeht. Da können wir nur auf den vielleicht etwas ruhigeren Herbst warten.
Schöne Grüße
Bine

Antworten
Katrin Haberstock September 4, 2020 - 2:32 pm

Wow das hört sich echt spannend aber auch etwas gefährlich an. Aber sehr gut das du da so umsichtig und vorsichtig bist. Es lohnt ja nicht sich in Gefahr zu bringen.
Danke für den schönen Bericht und die Bilder.

Liebe Grüße
Katrin

Antworten
Sabine September 7, 2020 - 8:24 am

Liebe Katrin,
Danke. Ja das bin ich schon. Ich mag kein unkalkulierbares Risiko eingehen.
Da breche ich lieber Mal eine Tour ab.
Ich mag ja die Pension noch erleben ;-)
Schöne Grüße
Bine

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