Klettern am Känzele / Gebhardsberg – Gebietsvorstellung

Ein ganz besonderes Klettergebiet in Vorarlberg möchte ich euch heute vorstellen. Es geht um das Känzele – das von weitem sichtbare Felsband hoch über der Stadt Bregenz – am Gebhardsberg. Über das Känzele habe ich bereits einige Beiträge geschrieben, denn hier kann nicht nur geklettert werden, sondern es gibt auch viele Wandermöglichkeiten, 3 verschiedene Klettersteige sowie Bouldermöglichkeiten. Das Klettergebiet Känzele bietet inzwischen mehr als 300 Routen, welche von oben sowie auch von unten begangen werden können. Gerade im Winter, wenn die Sonne den Sandstein und auch das Konglomerat erwärmt, ist das Känzele besonders schön zum Klettern. Aber auch im Sommer, wenn die Blätter der Bäume wenig Sonne durchlassen, findet man viele schattige Sektoren am Känzele. Im Sommer sollte man allerdings den Mückenschutz nicht vergessen ;-)

Das Klettergebiet Känzele und die Klettersektoren

Das Konglomeratgestein vom Känzele ist  eigentlich sehr kompakt. Besonders die viel begangenen Routen sind alle sehr gut abgeklettert. Nur sehr selten lösen sich im Frühjahr hin und wieder ein paar Kiesel. Die Art der Routen sind von geneigten Platten, über senkrechte Touren bis hin zu überhängender Kletterei. Platten, Verschneidungen, Dächer – es ist alles vorhanden, was das Kletterherz begehrt.

Ich möchte euch nun einen kleinen Überblick über die verschiedenen Sektoren geben, denn diese sind am Känzele nicht beschildert, noch sind die Routen angeschrieben. Es ist also für Neulinge eher schwierig, sich zu orientieren. Ich versuche es mal mit meinen Lieblingssektoren…

Sektor “Traumland”

Das Klettergebiet am Känzele umfasst mehr als 300 verschiedene Routen, welche im Schwierigkeitsbereich von 3 bis 10 liegen. Es hat also für alle Kletterer in jeder Schwierigkeit etwas zu bieten. Besonders der 1. Sektor “Traumland” unterscheidet sich von den meisten anderen dadurch, dass hier Sandstein vorherrscht. Dieser Sektor ist am leichtesten von oben durch Abseilen zu erreichen. Man sollte sich schon ein wenig auskennen, damit man diesen tollen Sektor findet. Wenn man abseilt, erreicht man ein sehr bequemes Podest und von dort aus starten die Routen in diesem Sektor. Hier beginnen die Routen im Schwierigkeitsbereich 6-.

Sektor “Wanzenburgboulder”

Den Sektor Wanzenburgboulder erreicht man nur über den unteren Känzeleweg. Man startet beim Parkplatz am Gebhardsberg und folgt dem Weg mit der Beschilderung “Unterer Känzeleweg” nach ca. 15 min erreicht man den großen Felsblock mit den verschiedenen Routen. Hier dominiert das Konglomerat Gestein und die Routen links an der senkrechten Wand haben die Schwierigkeiten 5+ bis 7+. An der Vorderseite des Wanzenburgboulders liegen die Routen im Bereich 6c bis 8b. Auf der Nordseite befinden sich noch ältere Routen, welche sehr selten begangen werden.

Sektor “Via Johanna” / “Sektor Kipit”

Wenn ihr dem Weg vom Wanzenburgboulder weiter folgt und vor dem Holzgatter links an die Felsen hochgeht, dann kommt ihr zum Sektor Via Johanna und dem schweren Sektor Kipit. Der Sektor Via Johanna ist wie ich finde sicherlich einer der schöneren Sektoren hier am Känzele. Routen gibt es hier von 4+ bis 7 + und diese sind sehr gut abgeklettert und auch perfekt gesichert. Dass hier meistens ziemlich viel los ist, kann man verstehen.

Im überhängenden Sektor Kipit findet man die schwierigen Routen, welche von 8- bis 10 reichen. Hier befindet sich auch die Route KIPIT, welche ich vor ein paar Jahren als Lebensprojekt abschließen konnte Sie hat die Schwierigkeit 9-/7b. Den Bericht zur Begehung der Kipit könnt ihr gerne hier nachlesen. Aufpassen solltet ihr im Sektor Kipit vor allem in der Route Langfinger, denn diese ist meiner Meinung sehr schlecht gesichert. Ein Sturz vor dem 3. Haken kann sehr bedrohlich werden. Zudem ist diese Route als leichteste Route im Sektor Kipit angegeben, also bitte Vorsicht!

vollste Konzentration in der Route Kipit 7b

Sektor “Via Sophia”

Der nächste Sektor befindet sich ca. 100 m weiter rechts. Hier befinden sich links die leichteren Routen – diese sind vor allem für Anfänger gut geeignet. Die Schwierigkeiten bewegen sich im 4. + 5. Schwierigtkeitsgrad. Die Absicherung ist hier wie auch in den meisten anderen Sektoren vorbildlich. Rechts davon befinden sich ein paar mittelschwere Routen und diese Routen sind im Bereich 7  bis 7+. Etwas weiter rechts gibt es noch einige Routen, welche in in den Bereichten 5-7 liegen.

Sektor “Just in Time” 

Wenn ihr dem Weg weiter folgt, dann kommt ihr zum Sektor Spiderman. Hier kommen alle Kletterer auf ihre Kosten. Links befinden sich leichte 2-Seillängen Routen, welche man auch oft zum Ausstieg auf den oberen Känzele Weg verwendet. Etwas rechts davon beginnen die Routen ab 6+ und je weiter man nach rechts geht, desto schwieriger werden sie. Besonders die Routen Just in Time, Joker und Känzele Climb sind sehr schön, 40 m lang und recht schwer. Weiter rechts befindet sich noch der kleine Sektor Time out mit sehr tollen Klettereien ab dem Bereich 6+ welche auch mit einer 2. Seilllänge aufwarten. Die Verlängerungen sind richtig schwer und wurden von mir noch nicht geklettert.

Sektor “Mauerläufer”

Der Sektor Mauerläufer befindet sich noch etwas weiter rechts vom Sektor Time out. Sehr markant ist hier der Sandsteineinstieg über ein kleines Dach, welches meistens A0 (bzw. technisch) geklettert wird. von hier aus gehen die Routen wie ein Fächer auseinander, wobei die Route in der Verschneidung die leichteste ist.

Sektor “Superfiction”

Im Sektor Superfiction waren wir früher sehr viel unterwegs. Hier befinden sich Routen im Bereich von 6 – 8, wobei die Frida Frech zu den schwersten und auch ausgesetztesten gehört. Mit ein paar wirklich schweren Stellen gehört diese Route trotzdem zu den spektakulärsten in diesem Sektor. Sehr schön finde ich die Route “Kazatum”, welche ein wenig tricky ist.

Sektor “Krüzle”

Ganz weit oben am Känzele befindet sich der Sektor “Krüzle”. Hier sind die Routen am längsten und man muss mächtig zulangen, um diese sauber zu klettern. Die Verschneidung ist die leichteste und bietet die Möglichkeit einer Mehrseillängen Route, welche auch von unten begangen werden kann. In diesem Sektor sind sehr viele neue Touren dazu gekommen. Vielen Dank an Wolfgang Vogl für die unermüdliche Arbeit hier am Känzele. Er ist auch der Erschließer der meisten Routen in diesem Klettergebiet. Die Erstellung der drei Klettersteige gehen auch auf sein Konto.

Dies ist nun mal eine Auswahl an Sektoren, welche ich persönlich sehr gerne besuche. Inzwischen muss auch gesagt werden, dass das Känzele-Klettergebiet einen sehr großen Boom erlebt und zahlreiche Besucher aus Deutschland, der Schweiz und Österreich dieses leicht erreichbare Klettergebiet besuchen. Die Zahl der Routen wächst stetig und mein letzter Stand ist es, dass es hier am Känzele mehr als 300 Routen gibt.

Bouldern am Känzele

Nicht nur für Kletterer und Klettersteig Geher ist das Känzele geeignet, auch die Boulderer unter euch kommen auf ihre Kosten. Denn gleich zu Beginn des Känzele Rundweges am Parkplatz Gebhardsberg (man folgt dem Weg Richtung unterer Känzeleweg und dann kommt man an den ersten Felsen rechts vorbei) befinden sich tolle Möglichkeiten zum Bouldern.

Facts in Kürze:

  • Zugang: Von Bregenz in Richtung Fluh zum Parkplatz Gebhardsberg (derzeit noch kostenfrei)
  • Auswahl an Kletterrouten: 300 verschiedene Routen im Schwierigkeitsbereich von 3+ bis  10
  • Bouldermöglichkeiten: unterhalb des Parkplatzes Gebhardsberg in Richtung unterer Känzeleweg
  • Gestein: Konglomerat und Sandstein
  • Absicherung: Sehr gut bis gut
  • Andere Möglichkeiten für Nicht-Kletterer:
    – diverse Wanderung rund ums Känzele
    – ausgeschilderte Biketouren
    Känzele Klettersteig 3 verschiedene Varianten
  • Restaurant am Gebhardsberg mit einer phantastischen Aussicht
  • Kletterführer: Im Vorarlberg Kletterführer ist das gesamte Klettergebiet ausführlich beschrieben.

Hier findet ihr noch ein paar Impressionen über dieses tolle Klettergebiet.

Der neue Känzele Klettersteig – Variante 3.
Wunderbarer Ausblick vom Restaurant am Gebhardsberg auf das Rheintal und auf den Bodensee…

Kennt ihr dieses Kletter- und Bouldergebiet schon? Seid ihr schon mal im Konglomerat bzw. Sandstein geklettert? Ich freu mich auf eure Kommentare.

 

Bis demnächst

Eure Bine

 

2 Kommentare bei „Klettern am Känzele / Gebhardsberg – Gebietsvorstellung“

  1. Danke für diese tolle Erklärung finde nur sehr schwer irgendwelche Infos sehr schön beschrieben

    1. Hallo Lukas,
      das freut mich sehr.
      Wenn Du mehr Infos dazu brauchst,
      einfach kurz melden.
      Viel Spaß am Känzele.
      Schöne Grüße
      Bine

Schreibe einen Kommentar