Home Blog Via Spluga – auf alten Walserwegen unterwegs! (Gastbeitrag)

Via Spluga – auf alten Walserwegen unterwegs! (Gastbeitrag)

0 Kommentar

Hermine vom Blog Bergliebe Südtirol arbeitet seit kurzem als Wanderführerin. Sie war auf alten Walserwegen unterwegs. Die Via Spluga führt von Thusis über den Splügenpass bis nach Chiavenna. In diesem Gastbeitrag nimmt sie euch auf diese tolle Wanderung mit. Viel Spaß beim Lesen:

Wie alles begann…

Die Idee zur Via Spluga kam auf Umwegen zu mir: eine Freundin meiner besten Freundin gab den Tipp zu dieser Tour. Da ich ja auch immer offen für Neues bin, habe ich mich sofort an die Recherche gemacht und fand die Idee toll. Die Via Spluga ist eine Route auf alten Walserwegen von Thusis über den Splügenpass ins lombardische Chiavenna. 65 km lang und dauert ganze 4 Tage. Das schien nach einem guten Plan.

Nach einer individuellen Anreise treffen wir uns am späten Nachmittag in unserem kleinen, aber feinen Hotel „Gasthof zur Post“ in Sils. 6 wanderlustige Frauen sind bereit für die viertägige Tour. Es gibt zwei Ausgangsorte: Der bekanntere ist Thusis im Domleschg, der andere, weniger bekannte, auf der andere Rheinseite Sils im Domleschg, den wir gewählt haben.

Tag 1: Über den Traversinersteig bis Andeer

Bei schönstem Sommerwetter starten wir von Sils über die Route „Traversinersteig“ und wandern die ersten 200 Höhenmeter zur Ruine Hohen Rätien (947 m) auf. Diese Ruine ist Hauptschauplatz von Conrad Ferdinand Meyers Novelle „Die Richterin“. Prähistorische Funde beweisen, dass dieser Burghügel schon ums Jahr 1000 besiedelt worden ist. Der Wanderweg ist wunderschön und schlängelt sich entlang der Schlucht, die zur Viamala führt. Kurz bevor der Rhein die Viamala durchbricht, führen beide Wege aus Thusis und Sils wieder zusammen.

Die Viamala Schlucht ist der landschaftliche Höhepunkt des ersten Streckenabschnitts. 300 Meter tief bahnt sich der Hinterrhein seinen Weg durch die enge Felsschlucht. Man kann über 300 Treppen hinabsteigen und sich die sehr enge Schlucht aus der Nähe ansehen. Wir verzichten darauf und werfen einen Blick in die Tiefe. Man kann sich gut vorstellen, dass in früheren Jahrhunderten die Passage dieses Streckenabschnittes ziemlich schauerlich und unsicher war.

Es gibt historische Funde, die belegen, dass die Schlucht schon zu römischer Zeit erstmalig begangen wurde. Im Laufe der Jahrhunderte haben viele Schriftsteller Ihr Zeugnis von der Durchquerung der Schlucht hinterlassen. Wir überqueren die Schlucht auf dem Punt da Suransuns, einer 40 m langen Spannbandbrücke.

Etwas weiter Richtung dem Örtchen Reischen, finden wir im Wald einen sehr schönen Rastplatz und lassen es uns dort gut gehen. Einige Hängematten laden auch zum gemütlichen Verweilen ein.

Inzwischen ist es warm geworden und unsere Tour führt uns nach Zillis, einem kleinen Rätoromanischen Ort. Dort kehren wir im Hotel zur Post ein und löschen unseren Durst im Schatten mit einer Apfelschorle. Hier wollen wir unbedingt noch die berühmte Kirche St. Martin mit ihren berühmten Deckengemälden besichtigen.

Diese bemalte Decke der Kirche St. Martin im kleinen Ort Zillis , abgelegen in den Schweizer Alpen, ist weltberühmt und wird auch die „Sixtina der Alpen“ genannt. Der Ursprung der Kirche reicht bis ins 5. Jahrhundert zurück. Bemalt wurde die Decke zwischen 1109 – 1114. 153 hölzerne Tafeln aus Tannholz sind in 9 Reihen à 17 Tafeln angeordnet. Dabei handelt es sich um Szenen aus dem Jüngsten Gericht, aus dem Alten und Neuen Testament. Das Leben Jesu wird ausführlich dargestellt sowie das Leben des Hl. Martin, des Namenspatrons der Kirche. Die Anordnung entspricht allerdings nicht mehr der ursprünglichen Version.

Des weiteren gibt es viele Abbildungen von Tieren, Einhörnern und Drachen in den Randfeldern. In den Eckfeldern personifizieren die vier Engel des Jüngsten Gerichts die Windrichtungen.

Nach der Besichtigung der Kirche setzen wir unsern Weg zu unserem heutigen Etappenziel Andeer fort. Wir überqueren dafür den Rhein und steigen in wenigen Kehren nach Donat auf. Entlang des Waldes zieht unser Weg leicht bergab bis wir nach weiteren 1,5 Stunden Andeer erreichen. Wir überqueren vor dem Ortseingang eine prächtig gedeckte Holzbrücke mit 45 m Länge. Sie wurde 1856 als größtes, frei über den Hinterrhein gespanntes Bauwerk erstellt.

Unser heutiges Übernachtungsziel ist das Hotel „Weißes Kreuz“ direkt in der Ortsmitte.

Tag 2: Von Andeer über den Crestawald bis Splügen

Die heutige Etappe ist eigentlich die kürzeste und führt uns von Andeer nach Splügen. Gleich zu Beginn des Tages empfängt uns Regen und in Regenkleidung verhüllt starten wir unsere Tour. Zu Beginn durchqueren wir noch Andeer und wandern einen regenverhangenen Wald über Bärenburg zur Roflaschlucht empor.

Entlang der alten Kantonstraße führt uns nun der Weg weiter. Leider ist die Straße an diesem Sonntag stark frequentiert und deshalb auch sehr laut. Erst als wir Richtung Crestawald wandern und abseits der Straße, wird die Route wieder angenehmer. Das Festungsmuseum Crestawald gibt Zeugnis vom 2. Weltkrieg. Es wurde als einziges Artilleriewerk in Graubünden erbaut und beheimatet heute ein Museum.

Kurz darauf erreichen wir das kleine Örtchen Sufers am gleichnamigen Stausee. Es ist der älteste Ort in dieser Gegend und wurde schon 831 in einem karolingischen Güterverzeichnis erwähnt. Im einzigen Restaurant des Ortes, direkt an der Straße, kehren wir ein und stärken uns bei Kaffee und Kuchen.

Weiter schlängelt sich der Weg im Wald und führt über sehr malerische Teilabschnitte, wie z.B. der Burgruine Splügen, zum Ort Splügen. Heute haben wir mit dem „Hotel Bodenhaus“ ein wunderschönes und ganz stilvolles Ambiente gefunden und genießen dieses. In der Blütezeit des Ortes, zu Beginn des 19. Jahrhunderts, verkehrten in Splügen, einem Knotenpunkt zwischen Alpennord- und Alpensüdseite, dort berühmte und einflussreiche Menschen wie Theodore Fontane, der Maler William Turner, die Physiker Wilhelm Conrad Röntgen und Albert Einstein sowie die Spitzen des Europäischen Adels.

Splügen, ein Passdorf zwischen Palazzi und Walserhäusern, liegt auf 1.450 m Höhe und wurde in seiner rund 1200 Jahre alten Geschichte des Transitverkehres maßgeblich geprägt. Noch heute ist das Ortsbild baulich stark zweigeteilt: auf der einen Seite die großzügig-südländischen Palazzi in der Umgebung des Sustenbaches und daneben, auf der Bsetzi, das bäuerlich-walserische der Holzhäuser mit den gepflegten Gassen.

Bei einem feinen und leckeren Essen in der Stube des Hotels lassen wir den heutigen Tag ausklingen.

Tag 3: Von Splügen entlang des Lago di Montespula bis Isola

Der dritte Tag ist die längste Etappe und führt über den Splügenpasse, den Montesplugasee, die Cardinello Schlucht nach Isola. Bei dieser Etappe queren wir mit dem Splügenpass (2.113 m) von der Alpennord- auf die Alpensüdseite und erreichen zudem den höchsten Punkt der Tour.

Deshalb starten wir auch zeitig am Morgen so gegen 8 Uhr und wandern entlang des Hüscheräbaches in einem Lärchenwald nach oben. Noch etwas in Wolken verhangen startet der Tag, aber das tut unserer Motivation keine Abbruch. Immer gleichmäßig geht es nach oben, später über Almwiesen und auf den Spuren der alten gepflasterten Passstraße. Insgesamt sind es 750 Höhenmeter zum Splügenpass, die bewältigt werden wollen. Die Landschaft ist sehr karg, unwirtliches Urgestein empfängt uns und gibt dem Ganzen einen besonderen Charakter. Oben angekommen empfängt uns kalter Wind, schnell ein Selfie und wir wenden uns dem Abstieg nach Süden, Richtung Montesplugasee, zu. Nach ca. 45 Minuten erreichen wir dieses kleine, schon italienisch geprägte Örtchen und finden einen Platz in der Sonne und rasten ausgiebig. Dort sind noch einige Susthäuser, ehemalige Lagerhäuser der Säumer, zu bewundern. Heute in 2 Hotel umgebaut. Montespluga ist auch Ausgangspunkt für einige Gipfelbesteigungen wie dem Pizzo Ferré, der Cima Val Loga sowie des Surettahorns.

Entlang des Lago di Montespluga wandern wir in einem gemütlichen Auf und Ab entlang bis zu Staumauer, die 1931 errichtet wurde. Diese überqueren wir und blicken schon einmal ehrfürchtig in die Cardinello Schlucht, die uns als nächster Etappenabschnitt erwartet.

Die Cardinello Schlucht, Dreh- und Angelpunkt des Tales Val San Giacomo, ist nach dem benachbarten Monte Cardine benannt. Der Cardinello, der einst machen Säumern, Söldnern und Pilgern das Leben kostete, galt als der berüchtigste Abschnitt der gesamten Splugenroute, wie dies zahlreiche Berichte überliefern. Heute ist der Abschnitt entschärft und gut ausgebaut. Jedoch kann man sich gut vorstellen, wie noch vor über 100 Jahren in diesem steilen und abschüssigen Felsgelände der ein oder andere bei Schlechtwetter und Nebel ums Leben kam.

Wir durchwandern die Schlucht bei schönstem Wetter und genießen das felsige und urtümliche nd wildromantische Gelände. Über eine Brücke erreichen wir die andere Talseite und wandern weiter Richtung Rasdeglia, einem hauptsächlich im Sommer bewohnten Dorf. Auf einem alten Saumpfad geht es nun steil bergab über Mottaletta nach Isola, am gleichnamigen Stausee. Dort empfängt uns die Locanda Cardinello in einem ursprünglichen Ambiente und wir lassen in der getäfelten Stube bei leckerem Essen und Rotwein den langen Wandertag ausklingen.

Tag 4: Von Isola bis Chiavenna

Am nächsten Tag wandern wir stetig bergab, entlang an rauschenden Bächen, durchqueren kleine Dörfer, verwaiste Steinhäuser im Wald….immer bergab. Zuletzt durch Kastanienhainen und Rebberge in die Ebene von Chiavenna. Obwohl der Weg zum Teil mühsam ist, immer wieder über viele Felsen, enge Pfade, bietet der letzte Abschnitt doch einige landschaftliche Höhepunkte.

Nach der Ebene von Vho gelangen wir nach Cimaganda mit seinen gewaltigen Felsblöcken. Hier überqueren wir den Liro, der uns bereits Stunden begleitet hat, über eine kleine Hängebrücke. Im Ort San Giacomo Filippo suche wir vergeblich nach einer Bar oder Möglichkeit, uns mit Trinken zu versorgen. Wir hatten ganz vergessen, dass ab 14 Uhr alles geschlossen ist……Nun gut, nach einer Pause vor der geschlossenen Bar wandern wir weiter abwärts und nähern uns immer mehr unserem Ziel der 4-tägigen Tour, Chiavenna.

Bevor wir dieses aber endgültig erreichen, geht es nochmals ein kleines Stück mühsam bergauf, bis es dann – endgültig – über steile Treppen und Wege hinab ins Stadtzentrum geht. Total ausgetrocknet erreichen wir unser Hotel San Lorenzo und genießen auf der Terrasse erst einmal Apfelschorle und Co. Wir haben es geschafft und sind stolz auf unsere 4-tägige Tour und Leistung.

Fazit:

Die Via Spluga ist eine landschaftlich überaus abwechslungsreiche Tour, die von guten Wanderern mit einiger Vorbereitung gut gemeistert werden kann. Der Reiz der Tour liegt in der Überschreitung der kargen Alpennordseite auf die italienische, südländisch geprägte Südseite bis  nach Chiavenna. Dieser kleine malerische Ort bildet den Abschluss dieser Route und sollte noch mit einem Pausentag gewürdigt werden.

Literatur: Kurt Wanner, Via Spluga
Kartenmaterial: Wanderkarte Via Spluga (1:50.000) vom Tourismusverein Viamala
Bündner Wanderkarte K+F Hinterrheintäler (1:60.000)
Schweizer Landeskarten (1:50.000) Safiental (257 T): , San Bernardino (267 T)und Roveredo (277)

Eine richtig tolle Weitwanderung, die Hermine da gemacht hat. Ward ihr auch schon mal auf einer Weitwanderung unterwegs? Wohin führte euch diese? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen.

Vielleicht könnt ihr euch noch an die Weitwanderungen erinnern, die ich in den vergangenen Jahren unternommen habe. Das war auf jeden Fall eine spannende Zeit.

Lest euch gerne mal ein…
Albsteig Schwarzwald
Karwendel Höhenweg

Bis bald

Eure Bine

0 Kommentar
3

Weiter Beiträge

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Webseite nutzt Cookies. Ok Mehr erfahren