Unterschätzte Gefahren am Klettersteig

Das Begehen von Klettersteigen hat in den letzten Jahren beträchtlich zugenommen. Immer mehr Wanderer wagen sich an die Felsen, welche mit Stahlseilen gesichert sind und das teilweise Hochsteigen über Eisenstifte und Leitern ermöglichen. Besonders durch spektakuläre Bilder in den sozialen Netzwerken wird das leichte Begehen von Klettersteigen präsentiert. Spektakuläre Bilder an außergewöhnlichen Plätze scheinen überhand zu nehmen. Ein regelrechter Boom ist entstanden.
In den letzten Jahren war ich recht viel an Klettersteigen unterwegs. Immer wieder muss ich jedoch feststellen, dass viele Klettersteig Geher die Gefahr unterschätzen bzw. sich diesen Gefahren nicht bewusst sind. Auf einige mögliche Gefahren am Klettersteig möchte ich euch in diesem Beitrag aufmerksam machen.

Unterschätzte Gefahren am Klettersteig

# Steinschlag

Die Gefahr durch Steinschlag bereits beim Zustieg zu einen Klettersteig und auch während der Begehung des Steiges ist immer present. Dieser kann durch bereits im Klettersteig befindliche Personen ausgelöst werden, oder auch durch Tiere, die das lose Gestein, welches auf den Bändern liegt, lostreten. Ein weiterer Aspekt ist ein Steinschlag der durch starken Wind hervorgerufen wird. Auch daran ist bei einer Begehung des Klettersteiges zu denken. Unbedingt mit Helm klettern und jederzeit mit der Gefahr rechnen vor allem dann, wenn Kletterer vor euch unterwegs sind. Achtet darauf, dass ihr selbst keine Steine los tretet, damit nicht andere Personen gefährdet werden.

Könnt ihr euch vielleicht noch an den Beitrag mit dem Steinschlag in den Dolomiten vor ein paar Jahren erinnern? Da wurde mein Mann beim normalen Wanderweg / Zustieg von einem Stein am Unterarm getroffen. Gut, dass es nicht die Schulter oder der Kopf war, denn dann hätte die Sache schrecklich geendet. Ich mag mir gar nicht vorstellen wie…

# Wettersturz / Gewitter / Regen / Schnee

In den Bergen können die Wetterverhältnisse sehr rasch wechseln. Das haben wir bei unserer Begehung der Comici in der Nordwand der großen Zinne miterlebt. Zuerst scheint die Sonne, aber ein paar Minuten später kann es bereits Regnen oder ihr könnt von einem Gewitter überrascht werden.

Das Begehen eines Klettersteiges bei Gewitter ist lebensgefährlich.

Deshalb ist eine gute Planung auch im Bezug auf die Wetterprognose das A und O bei einer Klettersteig Tour.

  • Wie sind die Wettervorhersagen?
  • Wird Regen vorausgesagt oder gar Gewitter? Besonders bei Regen ist der Grip am Fels sehr schlecht und dann kann ein B/C-Steig sehr rasch zu einem D-Steig werden.
  • Bin ich dann diesen Schwierigkeiten auch noch gewachsen?
  • Ist mit einem Temperatursturz zu rechnen? Wenn das der Fall ist, dann denkt daran, dass die Stahlseile innert kürzester Zeit mit einer Eisschicht überzogen sein können. Dass dadurch eine Begehung um ein vielfaches schwieriger wird ist klar, oder?

# Selbstüberschätzung

Ein großes Gefahrenpotential bringt die Selbstüberschätzung mit sich. “Man glaubt, das was die anderen können, schaffe ich locker. Das kann doch gar nicht so schwer sein. Ich versuche es einfach einmal. Mir kann ja eh nichts passieren, ich bin ja gesichert.” Genau diese Einstellung haben viele Personen, die am Klettersteig unterwegs sind. Sie sind sich eigentlich der möglichen Gefahren am Klettersteig für sich selbst und der anderen nicht bewusst! Denn am Klettersteig gilt:

Stürzen in einem Klettersteig ist verboten!

# Genaue Tourenplanung ist extrem wichtig!

Eine gute Vorbereitung mit einer genauen Tourenplanung des Klettersteiges ist unbedingt notwendig. Es ist ratsam, an einem einfachen Steig zu starten und sich dann langsam an schwierigere Klettersteige heranzutasten.

Zu einer  richtigen Tourenplanung gehören folgende Punkte:

  • Schwierigkeitsgrad: Bin ich der Schwere des Steiges gewachsen?
  • Länge des Steiges: Wie viel Zeit muss für den Durchstieg eingeplant werden. Habe ich Zeitreserven, wenn noch weitere Klettersteigler unterwegs sind und diese nicht so rasch voran kommen wie geplant?
  • Dauer des Zustieges: Wie viel Zeit benötige ich für den Zustieg?
  • Dauer des Abstieges: Wie lange dauert der Abstieg? Plane genügend Zeit ein. Dies ist besonders wichtig, denn es kann immer wider erwarten etwas am Klettersteig passieren. Vielleicht kommt ein vor Dir Steigender nicht mehr weiter und ein Überholen ist nicht möglich. Deshalb immer genügend Zeit einplanen.
  • Wettersituation: Wie wird das Wetter? Habe ich mich richtig über den Wetterbericht informiert?
  • Notausstiege? Gibt es am Steig einen Notausstieg? Besonders bei einem Wettersturz ist es besonders wichtig, dies im Vorhinein zu checken.
  • Komplette Klettersteigausrüstung und Bekleidung: Habe ich die komplette Klettersteigausrüstung dabei? Bin ich auch bei einem Regenschauer gut ausgerüstet? Habe ich genügend Flüssigkeit und etwas zu Essen dabei? Reicht es auch, wenn die Tour länger dauert als geplant?

“Auch interessant: Am Klettersteig sicher unterwegs

# Kräftemangel und Erschöpfung

Viele von euch wissen es sicher, dass eine Begehung eines Klettersteiges recht fordernd sein kann. Es ist nicht nur der Steig selbst, der öfters schwieriger ist als man glaubt. Auch der Zustieg und Abstieg darf nicht unterschätz werden. Denn Rastpositionen an den schwierigeren Klettersteigen gibt es meistens keine bzw. sehr wenige. Wenn dann noch einige Bergsteiger hinter einem gehen und weiter wollen, dann kann das zu ziemlich stressigen Situationen führen. Dann kommt noch der Kräftemangel dazu und schon ist man in einer misslichen Lage. Also besser an einfachen Steigen starten und sich langsam an die schwereren herantasten. Denn auch hier gilt „Übung macht den Meister!“

#Partnercheck.

Vor jedem Start in einen Klettersteig muss der Partnercheck durchgeführt werden. Sind die Klettergurte richtig angezogen und verschlossen. Ist das Klettersteigset richtig fixiert und ist die Pauseschlinge richtig angebracht? (Erst unlängst habe ich beim Einstieg einer anderen Gruppe von Kletterern gesehen, dass die Pauseschlinge einfach in der seitlichen Materialschlaufe angebracht wurde. Dies kann natürlich fatal enden, denn die Materialschlaufe hält maximal 5 kg. !!! Man sollte natürlich auch darauf achten, dass die Klettersteigausrüstung in einem guten Zustand ist, denn daran hängt ja euer Leben!!!

Auch Routine Fehler sind immer wieder schuld an schweren Unfällen. Deshalb gilt hier besondere Vorsicht und darum ist der Partnercheck so wichtig!

# Abstand halten!

Was meines Erachtens auch ein großes Gefahrenpotential mit sich bringt, ist das nicht einhalten von genügend Abstand. Zwischen zwei Fixpunkten am Drahtseil darf nur eine Person unterwegs sein. Wie oft habe ich schon gesehen, dass zwischen den Fixpunkten mehrere Bergsteiger gleichzeitig unterwegs waren. Falls einer davon stürzt, reißt er die unter sich befindlichen Kletterer mit. Diese Gefahr wird besonders unterschätzt. Deshalb haltet bitte am Klettersteig genügend Sicherheitsabstand.

Das waren meine Denkanstöße, wenn es um mögliche Gefahren am Klettersteig geht. Ein gewisses Risiko ist immer mit dabei, wenn man in den Bergen unterwegs ist. Trotzdem sollte man sich so gut es geht schon vorher mit den möglichen Gefahren am Klettersteig oder auch beim Klettern auseinandersetzen. So kann man mit einer guten Vorbereitung die Gefahr minimieren. Trotzdem gibt es eben die objektiven Gefahren, welche man nicht in der Hand hat.

Habt ihr auch noch eine Gefahrenquelle erkannt, die ich noch nicht erwähnt habe? Lasst es mich gerne wissen, so kann ich den Beitrag mit diesen ergänzen. Trotz alle dem könnt ihr viel Freude bei den Klettersteigen die für euch passend sind erfahren, und unvergessliche Momente erleben…

Bleibt sicher…

Bis bald eure

Bine

 

 

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